Studienfahrt nach Krakau und Auschwitz

Am 29. April 2010 trafen wir uns mit 11 Studierenden und dem Dozenten für Journalismus zu einer ungewöhnlichen Exkursion. Mit einer kleinen Propeller-Maschine ging es von Düsseldorf ins polnische Krakau, wo wir bald darauf in unserem Hotel in Altstadt-Nähe eintrafen. Dort konnten wir noch schnell die Koffer oder Reisetaschen auspacken und schon eine Stunde später ging es mit zwei Elektro-Minibussen auf Stadtrundfahrt. Während der rasanten Fahrt über Krakaus Straßen und Gassen haben wir viele wunderschöne alte Kirchen gesehen. Außerdem konnten wir das Theater, das Rathaus, das Schloss, den Bischofspalast, die Stadtmauer und die Befestigungsanlagen fotografieren. Danach besichtigten wir das ehemalige jüdische Viertel Kazimierz, das frühere Ghetto von Krakau, die „Adler-Apotheke“ und die berühmte Emaillewarenfabrik von Oskar Schindler, die im Moment zu einem Museum umgebaut wird. Gerade der letzte Teil der Besichtigung war etwas bedrückender als die Stadtrundfahrt, erkannte man doch so manchen Ort aus Spielbergs Film „Schindlers Liste“ wieder.

Am nächsten Tag brachte uns ein Linienbus von Krakau zum ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz, das etwa 70 Kilometer entfernt liegt. Dort wurden wir zu einer dreieinhalbstündigen Führung in deutscher Sprache erwartet, die extra für uns organisiert worden war. Während wir auf dem Parkplatz auf die Führung warteten, herrschte eine Stimmung die ich so nicht erwartet hatte. Die Sonne schien und ständig strömten neue Touristen in buntem Sommerlook aus vielen Reisebussen. Man hätte meinen können, wir stünden vor einem Vergnügungspark. Doch sobald wir auf dem Gelände waren, schlug die Stimmung um. Unsere Gruppe sprach kein Wort und wir hörten aufmerksam unserem kompetenten Guide zu. Er führte uns unter dem berühmten Schild  „Arbeit macht frei“ hindurch, vorbei an Stacheldrähten, auf das Gelände mit den Baracken, auf das die Sonne nur so herunter brannte. Insgesamt sah es grüner aus, als es jeder schon einmal im Film gesehen hat. Einige der Baracken sind jetzt Ausstellungsräume, in denen wir alte Dokumente aber auch Fotos sehen konnten. Besonders aufwühlend für uns alle waren die Räume angefüllt mit Haaren, Brillen, Schuhen, Prothesen, Babykleidung oder Koffer, deren Besitzer alle in Auschwitz umgekommen sind. Die Führung bestand aus zwei Teilen. Anfangs erzählte man uns einiges über die rund eine Million Juden, die hier direkt in den Gaskammern ums Leben kamen und anschließend in den Krematorien verbrannt wurden. Danach hörten wir mehr über die Häftlinge, die registriert wurden und längere Zeit hier verbrachten. Wir konnten Zellen besichtigen und Schlafplätze, sowie den Appellplatz und die Mauer im Innenhof des Gefängnisses. Dort wurden unzählige Sinti und Roma, Homosexuelle und viele andere Menschen erschossen, die den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge waren.  Zum Schluss betraten wir die letzte, noch erhaltene Gaskammer. Ich denke keiner von uns konnte sich in diesem Moment auch nur im Geringsten vorstellen, wie viele Menschen hier ihr Leben lassen mussten. Viele von uns waren jedenfalls erleichtert, als wir die Gaskammer und das Krematorium wieder verließen, denn für uns war das der schlimmste Ort der Führung.

Danach brachte uns ein Shuttle-Bus nach Auschwitz-Birkenau und wir durchschritten das berühmte Tor, durch welches die Transporte hindurch kamen, um Juden aus fast ganz Europa auf der Rampe zu selektieren. Auf dem riesigen Gelände stehen noch immer unzählige Baracken, von denen wir einige besichtigen konnten. Dort wurden die Häftlinge auf engstem Raum zusammengepfercht und unser Guide erzählte uns, dass es im Sommer bei unerträglicher Hitze ohne Wasser noch schlimmer dort gewesen sei, als im Winter in eisiger Kälte. Unsere Gruppe lief an den schier endlosen Schienen entlang – bis zu den Stufen eines Denkmals. Dort liegen viele Gedenksteine – geschmückt mit Blumen und in jeder Sprache der hier Umgekommenen – und darauf die berühmten Worte:   „Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit. Hier ermordeten die Nazis über anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder. Die meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas.“

Trotz dieser zum Teil bedrückenden Eindrücke in Auschwitz haben wir den Abend in Krakau entspannt ausklingen lassen. Einige von uns saßen noch bis nach Mitternacht in den gemütlichen Lokalen der Altstadt, andere zog es bis um 6 Uhr früh in die Nachtclubs unweit des Hotels. Am nächsten Morgen hatte dann auch der eine oder andere etwas Probleme, rechtzeitig aus dem Bett zu kommen …

Den 1. Mai verbrachten wir dann auf dem wunderschön restaurierten Marktplatz von Krakau. Dort kauften wir noch das eine oder andere Souvenir und ließen die Reise langsam ausklingen, bevor wir am Abend mit einem weitgehend leeren Airbus nach Düsseldorf zurück flogen.

(Bericht: Julia Gosert)